Untermosel: Konzept für den Einzelhandel

Rhein-Zeitung, 05.12.2009
Artikel herunterladen

 

Die Verbandsgemeinde will die Versorgungssituation ihrer Bürger verbessern – Untersuchungsergebnisse der Cima liegen den Ortsgemeinden vor

 

Die Verbandsgemeinde Untermosel will die Versorgungssituation ihrer Einwohner verbessern. Dabei helfen soll ein Konzept zum Einzelhandel, dessen erste Ergebnisse jetzt vorliegen.

 

UNTERMOSEL

An der Untermosel besteht ein erhebliches Versorgungsdefizit. Zu diesem Ergebnis kommt die Cima Beratung und Management GmbH in ihrer Untersuchung, die der Verbandsgemeinderat im Juni in Auftrag gegeben hat. Das Gutachten, das den Ortsgemeinden derzeit zur Stellungnahme vorliegt, analysiert Angebot und Nachfrage innerhalb der Verbandsgemeinde sowie die Wettbewerbssituation mit anderen Kommunen.

 

Die Cima hat 109 Betriebe in der Verbandsgemeinde gezählt, die einen Umsatz von 32,2 Millionen Euro im Jahr erzielen. Das Kaufkraftpotenzial an der Untermosel liegt laut dem Gutachten bei 102,1 Millionen Euro. Die Verbandsgemeinde weist dabei die typischen Einzelhandelsstrukturen einer ländlich strukturierten Flächengemeinde mit einem Grundzentrum im direkten Einzugsgebiet eines Oberzentrums auf. Der Schwerpunkt des Einzelhandels liegt auf Sortimenten des täglichen Bedarfs. Weil die Verkaufsflächenausstattung bei Lebensmitteln mit 0,21 Quadratmetern pro Einwohner weit unter dem Bundesdurchschnitt liegt, spricht die Cima dort von einem erheblichen Versorgungsdefizit. Zum Vergleich: Die Ausstattung der etwas größeren Verbandsgemeinde Maifeld (24 400 Einwohner) und der etwas kleineren Stadt Bendorf (17 100) hegt bei 0,37 beziehungsweise 0,36 Quadratmetern pro Einwohner. Aus einer Verkaufsfläche von insgesamt 3870    Quadratmetern mit einem jährlichen Umsatz von 19,4 Millionen Euro leitet die Cima die Zielvorstellung ab, die Kaufkraftbindung an der Untermosel zu festigen, ja sogar zu erhöhen.

 

Erreicht werden soll dieses Ziel laut dem Gutachten mit der Entwicklung eines Netzes von Nahversorgungsstandorten im Grundzentrum und den umliegenden Gemeinden. Damit sieht sich Bürgermeister Bruno Seibeld voll in seiner Einschätzung bestätigt, dass eine Erweiterung der bestehenden Angebote an der Untermosel dringend notwendig ist: „Nur so können wir die Nahversorgung dauerhaft sichern.“ Bereits im vergangenen Jahr hatte Seibeld deshalb den Versuch unternommen, zur Ansiedlung eines Lebensmittelmarkts außerhalb des Grundzentrums eine interkommunale Abstimmung zwischen Kobern-Gondorf und Niederfell herbeizuführen.

 

In ihrer Untersuchung hat die Cima mögliche Standorte bewertet – neben Kobern-Gondorf und Niederfell verhandelt auch Dieblich mit verschiedenen Lebensmittelmärkten. Obgleich die Pläne im Neubaugebiet Dieblich-Ost am weitesten fortgeschritten sind, spricht sich die Cima für diesen Standort nicht explizit aus. Der Grund: die Randlage von Dieblich innerhalb der Verbandsgemeinde. Gar als problematisch stuft sie die Grünfläche in Niederfell unterhalb des Dorfgemeinschaftshauses ein, da sie im Hochwassergebiet liegt.

 

Als möglichen Standort für einen Lebensmittelmarkt sieht das Gutachten dagegen den Sportplatz in Niederfell. Das bisherige Investorenkonzept allerdings, das die zusätzliche Ansiedlung eines Discounters vorsieht, betrachtet es sehr kritisch. Lediglich mit einem Drogeriemarkt als ergänzendem Angebot würde der Lebensmittelstandort Niederfell laut der Cima eine sinnvolle Ergänzung zum Angebot in Kobern-Gondorf darstellen. Im Grundzentrum der Untermosel sehen die Gutachter den größten Handlungsbedarf: Die Pläne der Gemeinde zur Verlagerung des Rewe-Markts von der Bahnhofstraße ans Postgelände und die Ansiedlung eines Discounters am bisherigen Rewe-Standort, haben für die Cima deshalb Priorität.

 

Mit den empfohlenen Verlagerungen und Neuansiedlungen könnte der Umsatz an der Untermosel auf 37,5 Millionen Euro gesteigert werden. Das wäre laut Cima eine deutliche Verbesserung der Nahversorgung.

 

Was aus den Ergebnissen der Untersuchung folgt, entscheidet der Verbandsgemeinderat frühestens im Januar. Zwar liegt die erste Bewertung der Gutachter allen Fraktionen zur Ansicht bereits vor, diskutiert wird sie zunächst aber auf Ortsgemeindeebene – auch um mögliche Ergänzungen vorzunehmen.

Ulrike Hochgesand